Eishockeyspieler und Agent: Mutmaßlicher russischer Spion fliegt in Polen auf

In Polen gelingt offenbar ein weiterer Schlag gegen Russlands Spionagering. Bereits seit zwei Jahren soll ein Eishockeyspieler für den Kreml tätig gewesen sein.

Warschau – Wegen des Verdachts auf Spionage hat Polens Geheimdienst einen russischen Eishockeyspieler festgenommen. Der mutmaßliche Agent habe für einen Club der ersten Liga gespielt, teilte Justizminister Zbigniew Ziobro am Freitag (30. Juni) auf Twitter mit. „Die russischen Spione fliegen einer nach dem anderen auf!“, schrieb Ziobro. Der Sportler sei das 14. Mitglied eines russischen Spionagerings, das Polens Geheimdienst festgenommen habe.

Der Eishockeyprofi wurde bereits am 11. Juni in Schlesien festgenommen, wie die zuständige Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur PAP sagte. Nach Angaben der Ermittler hielt sich der Erstliga-Spieler seit Oktober 2021 in Polen auf, für seine Spionagetätigkeit sei er regelmäßig bezahlt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Tätigkeit für einen fremden Geheimdienst zum Schaden Polens. Ihm drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Der polnische Justizminister, Zbigniew Ziobro, hat sich auf Twitter erfreut über die Verhaftung eines mutmaßlichen russischen Spions gezeigt. (Archivfoto)Der polnische Justizminister, Zbigniew Ziobro, hat sich auf Twitter erfreut über die Verhaftung eines mutmaßlichen russischen Spions gezeigt. (Archivfoto) © Krzysztof Zatycki/Imago

Nach Angaben von PAP soll das Spionagenetzwerk vor allem das polnische Eisenbahnnetz ausgespäht haben. Das EU- und Nato-Land Polen ist das wichtigste Drehkreuz für die Lieferung westlicher Militärhilfe für die Ukraine, die sich seit gut 16 Monaten gegen die russische Invasion verteidigt. Der Kreml in Moskau äußerte sich zunächst zurückhaltend. „Wir haben leider noch keine detaillierten Informationen“, sagte Sprecher Dmitri Peskow auf Nachfrage von Journalistinnen und Journalisten.

Fotostrecke ansehen

Sorge vor Spionage aus Russland: Verfassungsschutz warnt deutsche Unternehmen

In Deutschland warnte der Verfassungsschutz zuletzt ebenso vor russischer Spionage. Deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Verteidigungssektor stünden dabei besonders im Fokus – auch vor Spionen im Wirtschaftsministerium wurde gewarnt. Gegen Unternehmen der Branche fiele seit Jahren eine wahrscheinlich staatlich gesteuerte Gruppierung durch weltweite Cyberangriffe auf, teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz am Freitag mit.

Hierbei wurden Beschäftigte der Firmen auf Karriereplattformen über gefälschte Profile vermeintlicher Personalvermittler von Konkurrenzunternehmen angesprochen. Anschließend seien vorgebliche Stellenangebote mit integriertem Schadcode übermittelt worden. Dieser Schadcode habe im Erfolgsfall umfangreichen Zugriff auf das gesamte Unternehmensnetzwerk verschafft.

Die meisten Spionage-Aktionen gehen dem Verfassungsschutz zufolge von Russland, China und Nordkorea aus. „Dabei geht es um strategische Aufklärung, die verdeckte Beschaffung von militärischen Technologien und Know-how sowie möglicherweise auch die Vorbereitung gezielter Sabotagehandlungen“, heißt es in der Mitteilung. (nak/dpa)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *