5 Produkte, die sich „klimaneutral“ nennen, obwohl sie es nicht sind

Umwelt-Label auf der Verpackung von dm-Eigenmarken führen in die Irre. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft auch anderen Unternehmen Greenwashing vor.

Keine „klimaneutrale“ Flüssigseife, kein „umweltneutrales“ Spülmittel – die Drogeriemarktkette dm muss bei ihren Eigenmarken die Labels wechseln – Die Werbung mit diesen Begriffen ist nach einem Urteil des Landgerichts Karlsruhe nicht zulässig. Mit beiden Bezeichnungen auf den Produkten würden bei den Verbrauchern Erwartungen geweckt, die nicht der Realität entsprechen, begründete das Gericht am Mittwoch (26. Juli) sein Urteil.

Damit hatte eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Erfolg. Sie hatte bei einigen so etikettierten dm-Eigenprodukten unter anderem Hinweise vermisst, worin die Klima- oder Umweltneutralität genau besteht. Das sah auch das Gericht so.

Die betroffenen Produkte von dm haben überhaupt keine ausgeglichene Umweltbilanz

Auf eine Internetseite für nähere Informationen zu verweisen, sei zwar zulässig. Der Verbraucher müsse aber auf der Verpackung diesen Hinweis erkennen können. Auch reiche nicht der Verweis auf ein Waldschutzprojekt in Peru. „Der Claim der Klimaneutralität des Produkts geht prinzipiell über das hinaus, was mittels CO2-Zertifikaten aus Waldschutz erreichbar ist“, betonte der Vorsitzende Richter Steffen Wesche.

alverde-Duschgel / „Umweltneutral“ darf sich dieses Produkt von dm nicht mehr nennen. „Umweltneutral“ darf sich dieses Produkt von dm nicht mehr nennen. © dm-drogerie markt/ dpa

Was den Begriff „Umweltneutralität“ angeht, rügte das Gericht einen Verstoß gegen das Irreführungsverbot. „Die Werbung ist überschießend und damit unzutreffend“, so der Richter. Die so beworbenen Produkte hätten keine ausgeglichene Umweltbilanz. Auch würden von 13 Wirkkategorien von Umweltbelastungen nur die Kategorien CO2-Emissionen, Nährstoffeintrag, Versauerung, Sommersmog und Ozonabbau erfasst.

Diese Produkte haben ihr Etikett „Klimaneutralität“ wahrscheinlich nicht verdient

„Das Urteil gegen die Drogeriemarktkette dm ist ein Meilenstein für den Verbraucherschutz“, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er sprach von einem „wichtigen Erfolg gegen Greenwashing im Handel“. Die DUH hat mehr als 20 Unternehmen wegen der Verwendung des Etiketts „Klimaneutralität“, sowie „dreister Verbrauchertäuschung“ verklagt – darunter Danone.

Welchen Unternehmen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) noch Greeenwashing vorwirft, siehst du hier:

1. Hello Fresh

Ist diese Kochbox von Hello Fresh wirklich klimaneutral? © IMAGO/Richard B. Levine0

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Bei Hello Fresh kannst du Kochboxen mit vorsortierten Lebensmitteln bestellen, mit denen du bestimmte Gerichte zubereiten kannst. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „das erste globale klimaneutrale Kochbox-Unternehmen“. Es wirbt mit dem Spruch: „HelloFresh kompensiert 100 Prozent deiner direkten CO₂-Emissionen. Damit sind wir die ressourcenschonende Kochbox deiner Wahl.“

Nach Angaben der DUH wird die Klimaneutralität des Unternehmens „nur unzureichend und widersprüchlich begründet“. Zudem fehlten Angaben, um angegebene umweltfreundlichen Projekte (nachhaltige Land- und Forstwirtschaft in Kenia, Region Kasigau Corridor, Waldschutzprojekt) zu überprüfen.

2. Shell

Dieses Motorenöl der Shell-Tankstelle wirbt damit, Co2-neutral zu sein. © Screenshot/ Deutsche Umwelthilfe (DUH)

Die Shell-Tankstelle wirbt bei ihrem verkauften Motorenöl damit, dass es „CO2-neutral“ sei. Auf dem Produkt oder der Website gebe es aber keine Informationen, was genau damit gemeint ist, kritisiert die DUH.

Ähnlich fragwürdig findet die DUH den „CO2-Ausgleich“, den Shell Autofahrern anbietet. Für 1,1 Cent pro Liter getankten Benzin- oder Dieselkraftstoff sollen sie die CO₂-Emissionen einer durchschnittlichen Autofahrt ausgleichen können, behauptet Shell. Inwiefern das Unternhemen Kohlenstoffdioxidemissionen verringern möchte, macht es aber keine Angaben.

3. Faber Castell

Klimaneutral zeichnen – geht das? (Symbolbild) © Patrick Pleul/ dpa

Nach einer Klage der DUH darf Faber Castell seine Produkte nicht mehr als „klimaneutral“ bezeichnen. Das Unternehmen konnte nicht ausreichend belegen, dass sie es wirklich sind.

Hier sind 18 Tipps, mit denen du die Umwelt wahrscheinlich besser schonen kannst, als mit dem Kauf von Produkten.

4. Rossmann

Ob diese Öko-Windeln von Rossmann so öko sind, wie sie tun, bleibt fraglich. © Screenshot/ Deutsche Umwelthilfe (DUH)

Wie dm stellt auch die Drogeriekette Rossmann laut DUH nicht genügend Informationen bereit, warum ihre Produkte „klimaneutral“ sind. Nicht nur die Öko-Windel (oben) ist davon betroffen.

Andere Produkte haben nicht nur eine sinnlose Verpackung – sie sind einfach sinnlos.

(Mit Material der dpa)

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